Apokalypse Jetzt oder Paradise Now

u.m. Hammer´s Zeitgeist

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NR. 3      Februar   2014

Apokalypse Jetzt

oder Paradise Now

 

Achtung! Achtung! Alle Journalisten an die Front! 2014! Das ist aktuell, weil es mit der Zahlenfolge 14 – 18 verbunden ist. Moderne Abiturienten werden damit nichts anfangen können, deshalb: 1914! Da war doch was! Erst der große Aufbruch in die Moderne. Einstein und Plank, Dampf und Diesel, Krupp und Kanonen, Impressionismus und Konstruktivismus. Dann die Apokalypse. Krieg der Maschinen. 1914! Das ist die neue Zeit. Panzer, Flugzeuge und Giftgas! Letzteres ist wichtig, um den roten Faden zu legen. Syrien, Assad, u.s.w..

Verschnaufpause ab 1918. Die 20er. Tanz auf dem Vulkan. Jazz und Swing, Expressionismus und Surrealismus, Opium und Kokain. Und noch mal Apokalypse. Bombentsunami in Breitwand und Technicolor. Aber das wird erst 2039 wieder aktuell.

Nun, was sagen Sie? 1914 – 2014! Da muss man etwas draus machen!

Der Weltenbrand feiert sein Hundertjähriges. Hurra, hurra, jetzt ist der Kontext klar.

Natürlich war 1913 ganz anders als 2013, und 2014 hat auch nicht so angefangen wie 1914, aber irgendwas könnte schon ähnlich sein. Man muss das einfach nur sehen. Der Tanz auf dem Vulkan der 20er muss im Zeitalter der Milliardäre einfach nur Tanz um das goldene Kalb genannt werden, nur sind die Kälber mutiert und jetzt aus Titan und seltenen Erden wie, Neodyn oder Lithium. Außerdem kann man die neuen Tänze auch im Privatjet tanzen, und die Tanzschritte folgen nun einem neuen Trend: Exzess Global.

Jetzt kommt die Steigerung ins Interplanetare.

Apokalypse Nummer 3! Nordkorea verschießt Atomraketen auf die USA, die Afrikaner erobern Europa und internieren die Europäer im Kongo, tausende muslimischer Selbstmordattentäter bomben die zivilisierte Welt ins Mittelalter, dazu überflutet schmelzendes Packeis die Kontinente, Sonneneruptionen löschen alle Datenspeicher und vernichten die technischen Infrastrukturen, ein Meteorit verwandelt New York in einen Riesenkrater, und der Pazifik ist ein Flammenmeer aus brennendem Plastikmüll, dessen vergaste Dioxyne halb Asien entvölkern.

Oh! Ach! Wehe! Dr. Faustus feiert Mephistos endgültigen Sieg über alles Gute. Die Geister, die Ihr rieft… 

Nein, nein, nein, ich will das nicht mehr weiter ausführen. Mein Sohn ist gerade vierzehn geworden, und ich habe ihm eine andere Zukunft versprochen. Ich habe versprochen, dass er zum 18ten einen schicken Tesla bekommt, dass er mit einem Virgin Space Cruiser um den Mond fliegen kann, dass er sich für sein Luxusleben nicht schämen muss, weil kein Mensch auf der Welt mehr Hunger leidet, dass Christen, Muslime und Buddhisten sich in Mekka beim Sufitanz verbrüdern und last not least die endgültige Vereinigung von Relativitäts- und Quantentheorie ein neues Zeitalter der Erkenntnis einläutet. Ist das pure Fantasie? Sind Investmentbanker und Waffenexporteure die einzigen Realisten? Bin ich naiv? Nein, bin ich nicht, absolut nicht!

Ich bin jetzt ein Prophet! Paradise now! Oder was sonst? Anderweitige Vorschläge nehme ich gerne entgegen.

U.M. Hammer

VIVA LA MAMA

Nr. 2 Jan. 2014

VIVA LA MAMA!

Die Feminisierung der Politik

 

Mit Siebzehn zog ich in die Welt, um auf den metaphorischen Spuren von Victor Hugo, Joseph Conrad und Jack London Männer zu treffen, die mir zeigen würden, wie man ein richtiger Mann wird. Und es gab sie wirklich, die namenlosen Helden der Welt der Arbeit,  die Abenteurer des Alltags. Es gab sie auf den Baustellen, am Steuer der Lastwägen, als Heizer in Dampflocks und Matrosen auf den Frachtschiffen. Es waren Männer deren Händedruck ausreichte, um ungeschriebene Verträge zu besiegeln, deren Worte genau das besagten, was sie meinten, Männer, die Versprechen in Taten verwandelten. Als Gattung sind sie allesamt ausgestorben und durch Surrogate ersetzt. Das ist auch gut so. – Die Männer, die so waren, wie ich einer werden wollte, sind nicht für Online-Banking, Facebook, Internetshopping und Computerspiele programmiert. Sie werden niemals die Bedeutung eines Like-Klicks verstehen und nur schwerlich begreifen, warum der homo informatikus eine marginale Mailnachricht in Standardtypografie mit Kommunikation verwechselt und ohne I-Phone zur sozialen Ausgrenzung verurteilt ist. – Alleine schon aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Das Projekt Mann ist irreversibel gescheitert und gehört ad acta gelegt.

Die Evolution hat sich für La Mama entschieden. Die Italiener haben es schon immer gewusst.

Erstaunlicher Weise sind ausgerechnet wir Deutschen jetzt an vorderster Front mit der Umsetzung dieser Erkenntnis in der Politik befasst. Die Logik zum Thema ist simpel: Ein politisches Gebilde wie ein Staat ist letztlich nichts weiter als eine riesengroße Familie, ein Haushalt mit Personen, Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Klo und Abstellkammer, mit Portokasse, Sparkonto, Einnahmen- und Ausgabenverlistung. Und da hat La Mama das Sagen. Zum Ausgleich dürfen die Männer sich an Sportgeräten und anderen Abenteuersimulatoren ihr Mütchen kühlen. Organisation, Politik und Diplomatie war eigentlich schon immer eine Frauendomäne. Die Männer haben es nur nicht bemerkt oder wahr haben wollen. Folgerichtig sind wir in Deutschland absolut auf dem richtigen Weg. Der Bundeswehr eine mehrfache Mutter und studierte Ärztin als Ministerin an die Spitze zu stellen, ist ein wegweisendes Signal. Drohnen zu Suppenküchen für Lateralgeschädigte und Panzer für die mobile Feldchirurgie!

Aber das sollte nur der Anfang sein. Finanzen gehören genauso wenig in Männerhände wie Wirtschaft, Justiz, Außenpolitik, Bildung und was sonst noch wichtig ist. Das alles ist in einer klassischen Familie Mama Ressort. Mama bewacht das Sparschwein, Mama verteilt das Taschengeld, Mama verbindet Wunden, Mama verteilt Strafen und Belobigungen und Mama redet mit den Nachbarn, wenn es mal Streit gibt. Niemand kann das besser als Mama, und deshalb sollten sich die Männer auch im eigenen Interesse tunlichst aus Mamageschäften raushalten. Zum Ausgleich hat Mama etliche typisch männliche Reservate wie, Grillfeuer Verwaltung, Mülltrennung, Rasenmähen und Hausreparaturen unter Naturschutz gestellt.

Einzig bei der NASA und am CERN arbeiten die Astrophysikerinnen und Quantenmechaniker auf derselben Baustelle, die da heißt Zukunft. Aber das ist eine andere Geschichte.

U.M. Hammer

Nur das Allerbeste

NR. 1       Januar  2014

Happy New Year – Nur das Allerbeste

 

Keine Sorge, ich mag die hohlen Postkartensätze genau so wenig Sie. Mein Freund Karl hat seinen Job verloren, Robert hat einen Prozess verloren, Frank wird noch lange mit den Folgen der Scheidung beschäftigt sein, und Anita… nun ja, sie ist ein Spezialfall, erst verstarb ihre Mutter, bald darauf der Vater. Das alles kam nicht so gänzlich unerwartet. Unerwartet hoch jedoch war die Erbschaft ausgefallen. Die Trauer ist groß, aber der Geldsegen und die damit verbundene  Aufregung und Arbeit sorgen für Ablenkung. Aber wie gesagt, Anita ist die Ausnahme. Eigentlich muss ich ihr nichts mehr wünschen.

Im letzten Jahr noch haben sie alle eine Mail von mir bekommen: Die allerbesten… aufrichtigen… von Herzen kommend… alles Glück der Welt, Gesundheit, Erfolg, und, und, und. – Nun gut, vor zwölf Monaten mochte das noch angehen, aber an diesem Jahreswechsel könnte man mir die netten Floskeln als hundsgemeinen Zynismus auslegen, mindestens als grobe Gedankenlosigkeit. Also werde ich besser überhaupt keine Neujahrsgrüße versenden.  Oder? – Nur noch eines fällt mir dazu ein: Ich könnte versuchen, das Wünschen als ernstgemeintes schamanistisches Ritual zu betreiben, die Wünsche zu real

wirksamen Zauberformeln zu verdichten. So könnte ich zum Beispiel Karl vor meinem geistigen Auge erscheinen lassen und telepathisch eine hochkonzentriere Ladung Positivität in seine gemarterte Seele meditieren. Ich könnte eine radikale Wende in seinem Leben visualisieren, das überraschende Jobangebot einer Internetfirma, den Erlass seiner  Schulden und vieles mehr. Ähnlich könnte ich mit Robert, Frank und Anita verfahren.

Aber will ich das überhaupt wirklich? Warum eigentlich sollte ich all die Energie aufbieten, damit es meinen Freunden am Ende besser geht, als mir selbst? Da frage ich mich doch: Gibt es im Gegenzug irgendjemanden, der auch nur zehn Minuten ernsthaft für mein Glück beten würde? – Wer hätte schon noch die Zeit für sowas? Bestenfalls könnte ich erwarten, dass ein  Kirchenbesucher beiläufig eine geweihte Kerze für mich entzündet. Das ist mit vergleichsweise weniger Aufwand verbunden, und die Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg wird dabei in höhere Hände gelegt. Wie auch immer, tatsächlich sind mir solcherart Gedanken peinlich. Die obigen Reflexionen sind nicht nur kleingeistig und egozentrisch, sie zeugen auch von einem Mangel an echtem Mitgefühl. Und davon abgesehen, sollte ich langsam begriffen haben, dass Geben seliger macht als Nehmen.  Ich halte das für wahr, ganz ohne Ironie. Aber Altruismus muss von früh auf erlernt werden, und letztlich gilt noch immer: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

In diesem Sinne, lassen Sie die Korken knallen und werfen Sie freigiebig mit Wünschen um sich. Man kann ja nie wissen. Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall nur das Allerallerbeste!

Ihr U.M. Hammer

Alle Jahre wieder

NR. 16       Dezember  2013

Alle Jahre wieder

Die wundersame Spiritualisierung des Materialismus

 Alle Jahre wieder kommt er zu uns hernieder. Direkt aus dem Nirgendwo der Unendlichkeit auf unseren Heimatplaneten. Jedes Jahr um dieselbe Zeit. Und wer von außerhalb der Erde zu uns Menschenkindern herab schwebt, muss naturgemäß ein Alien sein oder ein Astronaut am Fallschirm. Am 24. Dezember jedoch trifft keine der Vermutungen zu, da ist es Jesus Christus, der Heiland. Mehr Halbgott als Halbmensch, ist er von Gott, seinem Vater, berufen, die Naturgesetze aus ihrer Verantwortung zu entlassen, um uns kleine leidgeprüfte Erdenwesen mit Wundern zu beglücken.

Alleine schon seine Annäherung bewirkt eine erweiterte Wahrnehmung. Macht auf das Tor, die Tür macht weit. Man spürt die Kraft der Herrlichkeit. Man kann es hören. Süßer die Glocken nie klingen. Sternenmusik allüberall. In den Tannenwipfeln bricht das Eis die gleißenden Lichter der Einkaufspassagen wie die Diamanten in den Auslagen der Juweliere.  Gerüche von Zimt und Nelkenpunsch vernebeln die Sinne.

Der Einwand, dass weite Teile der Welt weniger von Heilanden, als von Katastrophen  heimgesucht werden, zählt nur beiläufig. Was sollte der Heiland schon in Kenia, Uganda, im Jemen, in Mekka, in Afghanistan oder in den Slums von Mumbay und Dehli? Solcher Art Regionen gehören nicht zu seinem Einflussbereich.

Einige Puristen werden jetzt ihre Stimme erheben und mit Moralgetöse auf das Goldene Kalb Syndrom verweisen. Sie haben nichts von den subtileren Zusammenhängen begriffen, haben verdrängt, dass der Heiland in einem Anfall von Jähzorn all die Händler randalierend und prügelnd aus dem Tempel seines Vaters vertrieb. Für die späte Wiedergutmachung dieser ganz und gar unchristlichen Aktion gibt es keinen besseren Anlass, als eine vom Heiland selbst genehmigte Orgie der Transformation überflüssiger Konsumprodukte in Liebesgaben aus der Mitte des Herzens.

Davon abgesehen, haben sich die Zeiten soweit verändert, dass sich die wahren Tempel schon lange im ungeteilten Besitz der Händler befinden. Das ist auch richtig so! Wer vom Profit erleuchtet wird, steht im Licht des Schöpfers. Harte Arbeit und noch härtere Preispolitik wird von der Quelle der Existenz selbst belohnt. Was Gewinn bringt, ist gut, muss richtig sein. Und Weihnachten ist die Garantie für die höchsten Profite des Jahres. Gott liebt die Erfolgreichen. Amerika hat vorgemacht, wie man mit unerschütterlichem Christenglauben und dem rechten Geschäftssinn zum Lieblingsland des Allmächtigen wird.

Eines steht fest: Ein randalierender Gottessohn würde heutzutage schon bei Annäherung an einen Weihnachtsmarkt von den Security Spezialisten aus dem Verkehr gezogen und zur Zwangstherapie verurteilt. Der Richter würde mildernd frühkindliche Störungen berücksichtigen, und die Psychologen würden nach Drogenexzessen in der Pubertät fahnden.

Frohe Weihnachten!

U.M.Hammer

Ich bin öffentlich! – Also bin ich!

NR. 15       Oktober  2013

Hurra! Ich bin öffentlich! Also bin ich!

 

Vielleicht bin ich ja ein wenig pervers, aber ich bekenne freimütig, dass ich es genieße, die Sphäre meines privaten Lebens mit jedem zu teilen, der sich dafür interessiert oder davon  unterhalten fühlt. Seit ich in meinem Klo eine Kamera installiert und direkt mit Youtube und  Facebook vernetzt habe, bekomme ich täglich tausende Klicks. Ich bin fast schon eine Berühmtheit. Und das auch noch in globalem Maßstab. Dazu kommuniziere ich nur noch über öffentliche Kanäle. Das hat mit einem gewissen Altruismus zu tun. Interessierte Mitmenschen sollen keine Zeit mit dem Knacken von Passwörtern verlieren. Bei meiner Entscheidung spielt aber auch die Haltung eine nicht unbedeutende Rolle. Da geht es um die Befreiung von behindernden Ängsten, um das Ausbrechen aus den kleinkarierten Rückzugsblasen aus dem sogenannten Privaten, um die Überwindung des Geizes. Man muss auch geben, wenn man etwas bekommen will. Wer sich an meinem Kontostand delektieren will, soll seine Freude daran haben. Warum sollte ich ihm seinen Wunsch verwehren. Den paranoiden Mitarbeitern  von paranoiden Behörden, die sich professionell an meinen nunmehr frei zugänglichen Privatgeheimnissen ergötzen, muss ich mein Mitgefühl aussprechen. Sie haben nicht begriffen, dass es eigentlich nur um Unterhaltung geht. In den Fäkalien anderer Leute zu lediglich eine Show, die Quote macht.

Persönlich betrachtet, ist für mich das ultimative Age of Aquarius angebrochen. 68 total. Damals haben wir in den Kommunen ja auch freiwillig die Klotüren entsorgt und den Liebesakt in der Öffentlichkeit zur Voraussetzung des befreiten Menschen erklärt.

Macht auf die Tür, macht hoch das Tor. Es geht um Entäußerung. Heutzutage geht das alles noch viel einfacher und besser. Wozu sich aufregen, wenn die Angebote aus den Entäußerungsmedien auch ohne Einschränkungen angenommen werden. Egal von wem!

Da muss man schon konsequent sein. Die fortgeschrittenen Adepten der öffentlichen Selbstsuche oder Selbstfindung werden ahnen, worauf ich wirklich hinaus will. Das Thema hat natürlich auch eine spirituelle Dimension. Es geht um Transformation! Ausgeliefert sein verwandelt sich durch freiwillige Selbstauslieferung in einen Akt höchster Selbstbefreiung mit gleichzeitiger Hingabe an das Unvermeidliche. Das ist auch der Kern aller Religionen. Unter dem allsehenden Auge Gottes bleibt ohnehin nichts auf dieser Welt verborgen. Wozu sollte man da noch Zeit fürs Verstecken vertrödeln. Und noch ein Rat für alle, die das nicht so recht einsehen wollen: beten war schon immer besser, als protestieren und kritisieren.

U.M.Hammer

Ein Plädoyer für die Einheitspartei

NR. 14       November  2013

Ein Plädoyer für die Einheitspartei

 

Dan Brown könnte eine Verschwörungsgeschichte daraus machen: Es war einmal vor vielen, vielen Jahren, als sich einige wichtige Herren versammelten. Vielleicht Bilderberger, Freimaurer, Illuminati? Vermutlich auch die Reichsten und Mächtigsten, ich weiß es nicht, Leute, die ein Interesse daran haben, dass der Laden störungsfrei läuft. Es ging um eine große Sache: Die generelle Vereinheitlichung in allen Bereichen des menschlichen Lebens.

Vereinheitlichung: Darin steckt das Wort Einheit, und irgendwie fing es vielleicht damit an, dass eine Einheitspartei  zerbrach, um eine neue, höhere Einheit herzustellen. Die Einheit eines zuvor getrennten Volkes. Vereinigung ist gut! Die Zeit ist nun endlich reif, eine neue globale Einheitspartei aufzustellen. Faktisch gibt es sie ja auch schon, nur will sie sich nicht so nennen, die Interessengemeinschaft der Profiteure aller Couleur. Da hat die geheime Loge, die hinter allem steckt, gute Vorarbeit geleistet. Letztlich geht es, genau wie in der Physik, um die große Vereinheitlichung. Dabei geht es den Verschwörern nicht um Ideologie. Nein, es geht um Vereinfachung. Angleichung ist wichtig für die Verminderung von Reibungswiderständen. Das kann jeder einsehen. Deswegen war es auch nicht schwer, die Autohersteller von der globalen Einheitsform ihrer Modelle zu überzeugen. Die Architekten waren auch gleich mit dabei, um Stadtsilhouetten zeitgemäß zu formatisieren und die Designer sorgten dafür, dass man in einer Lounge in Mumbay nicht weiß, ob man sich in Shanghai, Hamburg oder Oslo befindet. Mit ein paar Tricks werden marginale Unterschiede eingeplant, die Andersartigkeit vortäuschen sollen.  Das ist so, wie bei den Tatoos. Jedes Motiv ist individuell gemeint. Aber tatsächlich besteht es aus den immer gleichen bedeutungslosen Versatzstücken. Und aus geringer Entfernung schon ist keines der Schulter-, Oberarm- oder Wadenbilder auseinander zu halten. Das alles kann kein Zufall sein. Das ist geschickt gelenkt, immerhin so unauffällig noch, dass man die Zeichen bei flüchtiger Beobachtung übersieht. Die große Einheit, lange durch die ästhetischen Bedingungen von Wachstum und Konsum vorbereitet, so haben sich die Verschwörer das gedacht, soll wie eine globale Sangria sein, ein riesiger Topf mit zermatschten Früchten aus aller Welt und einer Überdosis Alkohol. Jetzt können alle überall und zu jeder Zeit und dabei noch gleichzeitig aus dem großen Livestyletopf schlürfen. Es wirkt stabilisierend auf eine Gesellschaft, wenn alle dasselbe trinken. Bei Coca Cola, wahrscheinlich ein Produkt der Illuminati, wusste man das schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Jetzt gehen die Verschwörer aufs Ganze. Jetzt kommen die Synergien der Manipulateure ins Spiel, die Philosophie, mit der man auch noch banalste Banalität in den Stand von Unterhaltungskunst erheben und die Wissenschaft, mit der man die große Vereinheitlichung zu einer logischen Konsequenz zivilisatorischen Fortschritts erklären kann. Aber schließlich hat alles auch ein wenig mit gesundem Menschenverstand zu tun, Vereinheitlichung ist rational, ist der große Optimierer und Mediator. Wenn alles immer gleicher oder ähnlicher wird, wird die Welt ein Stück einfacher, erträglicher, besser, friedlicher, sicherer und effektiver. So jedenfalls verkaufen die Medienagenten der Verschwörer das vereinheitlichte Betriebssystem für eine funktionierende Gesellschaft. Romantische Träumer und Individualisten Luxussteuer entrichten. Die Einnahmen könnte man für Anpassungskurse verwenden.

U. M. Hammer