Ein Plädoyer für die Einheitspartei

NR. 14       November  2013

Ein Plädoyer für die Einheitspartei

 

Dan Brown könnte eine Verschwörungsgeschichte daraus machen: Es war einmal vor vielen, vielen Jahren, als sich einige wichtige Herren versammelten. Vielleicht Bilderberger, Freimaurer, Illuminati? Vermutlich auch die Reichsten und Mächtigsten, ich weiß es nicht, Leute, die ein Interesse daran haben, dass der Laden störungsfrei läuft. Es ging um eine große Sache: Die generelle Vereinheitlichung in allen Bereichen des menschlichen Lebens.

Vereinheitlichung: Darin steckt das Wort Einheit, und irgendwie fing es vielleicht damit an, dass eine Einheitspartei  zerbrach, um eine neue, höhere Einheit herzustellen. Die Einheit eines zuvor getrennten Volkes. Vereinigung ist gut! Die Zeit ist nun endlich reif, eine neue globale Einheitspartei aufzustellen. Faktisch gibt es sie ja auch schon, nur will sie sich nicht so nennen, die Interessengemeinschaft der Profiteure aller Couleur. Da hat die geheime Loge, die hinter allem steckt, gute Vorarbeit geleistet. Letztlich geht es, genau wie in der Physik, um die große Vereinheitlichung. Dabei geht es den Verschwörern nicht um Ideologie. Nein, es geht um Vereinfachung. Angleichung ist wichtig für die Verminderung von Reibungswiderständen. Das kann jeder einsehen. Deswegen war es auch nicht schwer, die Autohersteller von der globalen Einheitsform ihrer Modelle zu überzeugen. Die Architekten waren auch gleich mit dabei, um Stadtsilhouetten zeitgemäß zu formatisieren und die Designer sorgten dafür, dass man in einer Lounge in Mumbay nicht weiß, ob man sich in Shanghai, Hamburg oder Oslo befindet. Mit ein paar Tricks werden marginale Unterschiede eingeplant, die Andersartigkeit vortäuschen sollen.  Das ist so, wie bei den Tatoos. Jedes Motiv ist individuell gemeint. Aber tatsächlich besteht es aus den immer gleichen bedeutungslosen Versatzstücken. Und aus geringer Entfernung schon ist keines der Schulter-, Oberarm- oder Wadenbilder auseinander zu halten. Das alles kann kein Zufall sein. Das ist geschickt gelenkt, immerhin so unauffällig noch, dass man die Zeichen bei flüchtiger Beobachtung übersieht. Die große Einheit, lange durch die ästhetischen Bedingungen von Wachstum und Konsum vorbereitet, so haben sich die Verschwörer das gedacht, soll wie eine globale Sangria sein, ein riesiger Topf mit zermatschten Früchten aus aller Welt und einer Überdosis Alkohol. Jetzt können alle überall und zu jeder Zeit und dabei noch gleichzeitig aus dem großen Livestyletopf schlürfen. Es wirkt stabilisierend auf eine Gesellschaft, wenn alle dasselbe trinken. Bei Coca Cola, wahrscheinlich ein Produkt der Illuminati, wusste man das schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Jetzt gehen die Verschwörer aufs Ganze. Jetzt kommen die Synergien der Manipulateure ins Spiel, die Philosophie, mit der man auch noch banalste Banalität in den Stand von Unterhaltungskunst erheben und die Wissenschaft, mit der man die große Vereinheitlichung zu einer logischen Konsequenz zivilisatorischen Fortschritts erklären kann. Aber schließlich hat alles auch ein wenig mit gesundem Menschenverstand zu tun, Vereinheitlichung ist rational, ist der große Optimierer und Mediator. Wenn alles immer gleicher oder ähnlicher wird, wird die Welt ein Stück einfacher, erträglicher, besser, friedlicher, sicherer und effektiver. So jedenfalls verkaufen die Medienagenten der Verschwörer das vereinheitlichte Betriebssystem für eine funktionierende Gesellschaft. Romantische Träumer und Individualisten Luxussteuer entrichten. Die Einnahmen könnte man für Anpassungskurse verwenden.

U. M. Hammer

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