Ich bin öffentlich! – Also bin ich!

NR. 15       Oktober  2013

Hurra! Ich bin öffentlich! Also bin ich!

 

Vielleicht bin ich ja ein wenig pervers, aber ich bekenne freimütig, dass ich es genieße, die Sphäre meines privaten Lebens mit jedem zu teilen, der sich dafür interessiert oder davon  unterhalten fühlt. Seit ich in meinem Klo eine Kamera installiert und direkt mit Youtube und  Facebook vernetzt habe, bekomme ich täglich tausende Klicks. Ich bin fast schon eine Berühmtheit. Und das auch noch in globalem Maßstab. Dazu kommuniziere ich nur noch über öffentliche Kanäle. Das hat mit einem gewissen Altruismus zu tun. Interessierte Mitmenschen sollen keine Zeit mit dem Knacken von Passwörtern verlieren. Bei meiner Entscheidung spielt aber auch die Haltung eine nicht unbedeutende Rolle. Da geht es um die Befreiung von behindernden Ängsten, um das Ausbrechen aus den kleinkarierten Rückzugsblasen aus dem sogenannten Privaten, um die Überwindung des Geizes. Man muss auch geben, wenn man etwas bekommen will. Wer sich an meinem Kontostand delektieren will, soll seine Freude daran haben. Warum sollte ich ihm seinen Wunsch verwehren. Den paranoiden Mitarbeitern  von paranoiden Behörden, die sich professionell an meinen nunmehr frei zugänglichen Privatgeheimnissen ergötzen, muss ich mein Mitgefühl aussprechen. Sie haben nicht begriffen, dass es eigentlich nur um Unterhaltung geht. In den Fäkalien anderer Leute zu lediglich eine Show, die Quote macht.

Persönlich betrachtet, ist für mich das ultimative Age of Aquarius angebrochen. 68 total. Damals haben wir in den Kommunen ja auch freiwillig die Klotüren entsorgt und den Liebesakt in der Öffentlichkeit zur Voraussetzung des befreiten Menschen erklärt.

Macht auf die Tür, macht hoch das Tor. Es geht um Entäußerung. Heutzutage geht das alles noch viel einfacher und besser. Wozu sich aufregen, wenn die Angebote aus den Entäußerungsmedien auch ohne Einschränkungen angenommen werden. Egal von wem!

Da muss man schon konsequent sein. Die fortgeschrittenen Adepten der öffentlichen Selbstsuche oder Selbstfindung werden ahnen, worauf ich wirklich hinaus will. Das Thema hat natürlich auch eine spirituelle Dimension. Es geht um Transformation! Ausgeliefert sein verwandelt sich durch freiwillige Selbstauslieferung in einen Akt höchster Selbstbefreiung mit gleichzeitiger Hingabe an das Unvermeidliche. Das ist auch der Kern aller Religionen. Unter dem allsehenden Auge Gottes bleibt ohnehin nichts auf dieser Welt verborgen. Wozu sollte man da noch Zeit fürs Verstecken vertrödeln. Und noch ein Rat für alle, die das nicht so recht einsehen wollen: beten war schon immer besser, als protestieren und kritisieren.

U.M.Hammer

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