VIVA LA MAMA

Nr. 2 Jan. 2014

VIVA LA MAMA!

Die Feminisierung der Politik

 

Mit Siebzehn zog ich in die Welt, um auf den metaphorischen Spuren von Victor Hugo, Joseph Conrad und Jack London Männer zu treffen, die mir zeigen würden, wie man ein richtiger Mann wird. Und es gab sie wirklich, die namenlosen Helden der Welt der Arbeit,  die Abenteurer des Alltags. Es gab sie auf den Baustellen, am Steuer der Lastwägen, als Heizer in Dampflocks und Matrosen auf den Frachtschiffen. Es waren Männer deren Händedruck ausreichte, um ungeschriebene Verträge zu besiegeln, deren Worte genau das besagten, was sie meinten, Männer, die Versprechen in Taten verwandelten. Als Gattung sind sie allesamt ausgestorben und durch Surrogate ersetzt. Das ist auch gut so. – Die Männer, die so waren, wie ich einer werden wollte, sind nicht für Online-Banking, Facebook, Internetshopping und Computerspiele programmiert. Sie werden niemals die Bedeutung eines Like-Klicks verstehen und nur schwerlich begreifen, warum der homo informatikus eine marginale Mailnachricht in Standardtypografie mit Kommunikation verwechselt und ohne I-Phone zur sozialen Ausgrenzung verurteilt ist. – Alleine schon aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Das Projekt Mann ist irreversibel gescheitert und gehört ad acta gelegt.

Die Evolution hat sich für La Mama entschieden. Die Italiener haben es schon immer gewusst.

Erstaunlicher Weise sind ausgerechnet wir Deutschen jetzt an vorderster Front mit der Umsetzung dieser Erkenntnis in der Politik befasst. Die Logik zum Thema ist simpel: Ein politisches Gebilde wie ein Staat ist letztlich nichts weiter als eine riesengroße Familie, ein Haushalt mit Personen, Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Klo und Abstellkammer, mit Portokasse, Sparkonto, Einnahmen- und Ausgabenverlistung. Und da hat La Mama das Sagen. Zum Ausgleich dürfen die Männer sich an Sportgeräten und anderen Abenteuersimulatoren ihr Mütchen kühlen. Organisation, Politik und Diplomatie war eigentlich schon immer eine Frauendomäne. Die Männer haben es nur nicht bemerkt oder wahr haben wollen. Folgerichtig sind wir in Deutschland absolut auf dem richtigen Weg. Der Bundeswehr eine mehrfache Mutter und studierte Ärztin als Ministerin an die Spitze zu stellen, ist ein wegweisendes Signal. Drohnen zu Suppenküchen für Lateralgeschädigte und Panzer für die mobile Feldchirurgie!

Aber das sollte nur der Anfang sein. Finanzen gehören genauso wenig in Männerhände wie Wirtschaft, Justiz, Außenpolitik, Bildung und was sonst noch wichtig ist. Das alles ist in einer klassischen Familie Mama Ressort. Mama bewacht das Sparschwein, Mama verteilt das Taschengeld, Mama verbindet Wunden, Mama verteilt Strafen und Belobigungen und Mama redet mit den Nachbarn, wenn es mal Streit gibt. Niemand kann das besser als Mama, und deshalb sollten sich die Männer auch im eigenen Interesse tunlichst aus Mamageschäften raushalten. Zum Ausgleich hat Mama etliche typisch männliche Reservate wie, Grillfeuer Verwaltung, Mülltrennung, Rasenmähen und Hausreparaturen unter Naturschutz gestellt.

Einzig bei der NASA und am CERN arbeiten die Astrophysikerinnen und Quantenmechaniker auf derselben Baustelle, die da heißt Zukunft. Aber das ist eine andere Geschichte.

U.M. Hammer

Nur das Allerbeste

NR. 1       Januar  2014

Happy New Year – Nur das Allerbeste

 

Keine Sorge, ich mag die hohlen Postkartensätze genau so wenig Sie. Mein Freund Karl hat seinen Job verloren, Robert hat einen Prozess verloren, Frank wird noch lange mit den Folgen der Scheidung beschäftigt sein, und Anita… nun ja, sie ist ein Spezialfall, erst verstarb ihre Mutter, bald darauf der Vater. Das alles kam nicht so gänzlich unerwartet. Unerwartet hoch jedoch war die Erbschaft ausgefallen. Die Trauer ist groß, aber der Geldsegen und die damit verbundene  Aufregung und Arbeit sorgen für Ablenkung. Aber wie gesagt, Anita ist die Ausnahme. Eigentlich muss ich ihr nichts mehr wünschen.

Im letzten Jahr noch haben sie alle eine Mail von mir bekommen: Die allerbesten… aufrichtigen… von Herzen kommend… alles Glück der Welt, Gesundheit, Erfolg, und, und, und. – Nun gut, vor zwölf Monaten mochte das noch angehen, aber an diesem Jahreswechsel könnte man mir die netten Floskeln als hundsgemeinen Zynismus auslegen, mindestens als grobe Gedankenlosigkeit. Also werde ich besser überhaupt keine Neujahrsgrüße versenden.  Oder? – Nur noch eines fällt mir dazu ein: Ich könnte versuchen, das Wünschen als ernstgemeintes schamanistisches Ritual zu betreiben, die Wünsche zu real

wirksamen Zauberformeln zu verdichten. So könnte ich zum Beispiel Karl vor meinem geistigen Auge erscheinen lassen und telepathisch eine hochkonzentriere Ladung Positivität in seine gemarterte Seele meditieren. Ich könnte eine radikale Wende in seinem Leben visualisieren, das überraschende Jobangebot einer Internetfirma, den Erlass seiner  Schulden und vieles mehr. Ähnlich könnte ich mit Robert, Frank und Anita verfahren.

Aber will ich das überhaupt wirklich? Warum eigentlich sollte ich all die Energie aufbieten, damit es meinen Freunden am Ende besser geht, als mir selbst? Da frage ich mich doch: Gibt es im Gegenzug irgendjemanden, der auch nur zehn Minuten ernsthaft für mein Glück beten würde? – Wer hätte schon noch die Zeit für sowas? Bestenfalls könnte ich erwarten, dass ein  Kirchenbesucher beiläufig eine geweihte Kerze für mich entzündet. Das ist mit vergleichsweise weniger Aufwand verbunden, und die Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg wird dabei in höhere Hände gelegt. Wie auch immer, tatsächlich sind mir solcherart Gedanken peinlich. Die obigen Reflexionen sind nicht nur kleingeistig und egozentrisch, sie zeugen auch von einem Mangel an echtem Mitgefühl. Und davon abgesehen, sollte ich langsam begriffen haben, dass Geben seliger macht als Nehmen.  Ich halte das für wahr, ganz ohne Ironie. Aber Altruismus muss von früh auf erlernt werden, und letztlich gilt noch immer: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

In diesem Sinne, lassen Sie die Korken knallen und werfen Sie freigiebig mit Wünschen um sich. Man kann ja nie wissen. Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall nur das Allerallerbeste!

Ihr U.M. Hammer