Nur das Allerbeste

NR. 1       Januar  2014

Happy New Year – Nur das Allerbeste

 

Keine Sorge, ich mag die hohlen Postkartensätze genau so wenig Sie. Mein Freund Karl hat seinen Job verloren, Robert hat einen Prozess verloren, Frank wird noch lange mit den Folgen der Scheidung beschäftigt sein, und Anita… nun ja, sie ist ein Spezialfall, erst verstarb ihre Mutter, bald darauf der Vater. Das alles kam nicht so gänzlich unerwartet. Unerwartet hoch jedoch war die Erbschaft ausgefallen. Die Trauer ist groß, aber der Geldsegen und die damit verbundene  Aufregung und Arbeit sorgen für Ablenkung. Aber wie gesagt, Anita ist die Ausnahme. Eigentlich muss ich ihr nichts mehr wünschen.

Im letzten Jahr noch haben sie alle eine Mail von mir bekommen: Die allerbesten… aufrichtigen… von Herzen kommend… alles Glück der Welt, Gesundheit, Erfolg, und, und, und. – Nun gut, vor zwölf Monaten mochte das noch angehen, aber an diesem Jahreswechsel könnte man mir die netten Floskeln als hundsgemeinen Zynismus auslegen, mindestens als grobe Gedankenlosigkeit. Also werde ich besser überhaupt keine Neujahrsgrüße versenden.  Oder? – Nur noch eines fällt mir dazu ein: Ich könnte versuchen, das Wünschen als ernstgemeintes schamanistisches Ritual zu betreiben, die Wünsche zu real

wirksamen Zauberformeln zu verdichten. So könnte ich zum Beispiel Karl vor meinem geistigen Auge erscheinen lassen und telepathisch eine hochkonzentriere Ladung Positivität in seine gemarterte Seele meditieren. Ich könnte eine radikale Wende in seinem Leben visualisieren, das überraschende Jobangebot einer Internetfirma, den Erlass seiner  Schulden und vieles mehr. Ähnlich könnte ich mit Robert, Frank und Anita verfahren.

Aber will ich das überhaupt wirklich? Warum eigentlich sollte ich all die Energie aufbieten, damit es meinen Freunden am Ende besser geht, als mir selbst? Da frage ich mich doch: Gibt es im Gegenzug irgendjemanden, der auch nur zehn Minuten ernsthaft für mein Glück beten würde? – Wer hätte schon noch die Zeit für sowas? Bestenfalls könnte ich erwarten, dass ein  Kirchenbesucher beiläufig eine geweihte Kerze für mich entzündet. Das ist mit vergleichsweise weniger Aufwand verbunden, und die Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg wird dabei in höhere Hände gelegt. Wie auch immer, tatsächlich sind mir solcherart Gedanken peinlich. Die obigen Reflexionen sind nicht nur kleingeistig und egozentrisch, sie zeugen auch von einem Mangel an echtem Mitgefühl. Und davon abgesehen, sollte ich langsam begriffen haben, dass Geben seliger macht als Nehmen.  Ich halte das für wahr, ganz ohne Ironie. Aber Altruismus muss von früh auf erlernt werden, und letztlich gilt noch immer: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

In diesem Sinne, lassen Sie die Korken knallen und werfen Sie freigiebig mit Wünschen um sich. Man kann ja nie wissen. Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall nur das Allerallerbeste!

Ihr U.M. Hammer

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